Die Schönheiten der Natur erkennen.

Sam-mel-su-ri-um!

Ich gehe durch den Wald und entdecke bei fast jedem Schritt die Wunderheiten der Natur. Da ein leuchtend gelbes Blatt, dort ein Blatt, das von einer Raupe in bizarrer Weise angefressen worden ist. Ich bücke mich, um ein Stück Rinde aufzuheben. Wahrscheinlich von einer Eiche. Braun, grob, zerfurcht. Ein Eldorado für den taktilen Sinn. Weiter oben leuchtet die schwarz-weiße Rinde einer Birke. Auch die muss ich mitnehmen. Sie ist viel glatter. In meiner Jackentasche findet sich noch eine Kastanie vom letzten Jahr, daneben eine Eichel und die Hülle einer Buchecker. Das leuchtendgrüne Moos lädt mich ein, es mitzunehmen. Am besten eines, das auf einem Stein wächst, denn dann geht nicht so viel Erde mit, wenn man es runterlöst. Ich habe wieder einmal keinen Korb und keine Tasche mit, also wird das T-Shirt kurzerhand zum Tragetuch umfunktioniert. Gut, dass das meine Kinder das nicht sehen, denn zu ihnen hätte ich gesagt, „ihr weidigt ja das Leiberl aus“. Die Wurzel, über die schon hunderte Menschen achtlos darübergestiegen sind, bettelt mich förmlich an, ihr einen ehrenvollen Platz zu Hause zu geben. Die kann ich gerade noch tragen. Ich kehre um, da ich so unmöglich weiterspazieren kann. Es ist egal, ich bin ja erst hundert Meter in den Wald reingegangen. Zu Hause lade ich alles ab und gehe noch mal in den Wald, diesmal in Gedanken an das Material und was ich daraus alles machen kann. Die Ideen sprudeln nur so aus meinem Kopf heraus.

Wenn wir zu Besuch in der Steiermark sind, nehme ich immer massenweise Flechten und Äste mit, sehr zum Leidwesen meines Vaters und meines Mannes. Doch wenn die Flechten dann gemeinsam mit Schneckenhäusern den Adventkranz verschönern, sehen sie ein, dass ich alles brauchen kann. Eine Glasvase gefüllt mit leeren Schneckenhäusern, die sich im Spätherbst und im Frühling haufenweise finden lassen, ist eine tolle Dekoration finde ich.

Ein Stein im Wasser. Er funkelt mich an. Wo der wohl herkommen mag? Welche Geschichte hat er zu erzählen? War er immer schon so glatt? Wo kommen die Streifen her? Im trockenen Zustand sieht er ganz anders aus. Lackiert bekommt er wieder den nassen Glanz. Daneben ein rauer, kantiger Stein. Ist er von einem größeren Stein weggebrochen? In der Sonne wird er heiß. Wenn er nass ist, angenehm kühl. Früher haben wir Steine in den Mund genommen und so den Freunden vorgemacht, wir hätten ein Zuckerl im Mund. Zuckerl waren damals eine Besonderheit. „Ätsch, ich hab ein Zuckerl.“ Da war man schon wer. Nur ist das Zuckerl nicht weniger geworden im Mund, und hat halt nur nach Stein geschmeckt. Wie schmeckt eigentlich ein Stein?

Ich liebe Flohmärkte. Ich finde immer etwas, sehe in Dingen das Besondere. In einer alten Kleiderschürze zum Beispiel. „Was machst du denn damit?“ Das wunderschöne Muster im Stoff, die feste Baumwolle. Der alte Wollpullover mit den Löchern an den Ellbogen lässt sich in der Waschmaschine verfilzen und zu einer Tasche nähen. Die Acrylbilder, die keiner gekauft hat, lassen sich mit den unterschiedlichsten Materialien aufpeppen. Der kleine Stoffblumenstrauß, der Puppenspiegel, die Glasmurmel – alles in unserer Umgebung gibt Anregung zum Geschichtenerzählen – man muss nur genau hinschauen und -hören.

Ich bin eine Sammlerin. Im ganzen Haus finden sich Dinge, die ich irgendwann einmal brauchen kann. Schachteln, Dosen, Gläser, bei mir findet sich alles mögliche. Mag sein, dass es für andere unordentlich aussieht, ich finde mich in meinem Chaos zurecht. Ich weiß, was ich irgendwann einmal mitgenommen habe. Ich weiß, wo ich es aufgehoben habe. Und ich weiß, irgendwann kann ich es brauchen. Meine Nichte liebt mein Sammelsurium. Bei mir und mit mir wird es nie langweilig.


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